Grenzen der Berichterstattung über Nationalspieler

Der auf Pressesachen spezialisierte 15. Zi­vilsenat des Oberlandesgerichts Köln hatte über die Grenzen der Berichterstattung über den Fußballnationalspieler Julian Draxler und dessen langjährige Freundin zu entscheiden.­ Bild Online hatte über einen Kurzur­laub des Spielers auf einer Yacht zusammen mit einer „unbekannten Schönen“ berichtet. Da­bei hatte sie den Kläger u.a. als „Käpt’n Knutsch“ bezeichnet und Fotos veröffentlicht, auf denen diese Frau und er sich küssen. Au­ßerdem veröf­fentlichte sie Fotos des Spielers und seiner lang­jährigen Freundin im Zu­sammenhang mit einem Fuß­ball-Länderspiel („Sie verzeiht ihm“).

Der Spie­ler und seine Freundin verklagten die Zei­tung auf Unterlas­sung. Während das Landge­richt Köln der Kla­ge vollständig stattgegeben hatte, unter­schied der 15. Zivilsenat zwischen den Bildern und dem Text. Die Bilder dürfen nicht veröf­fentlicht werden. Der Senat hat sorg­fältig ab­gewogen, ob die Zei­tung im konkreten Fall eine Angelegenheit von öffentlichem Interess­e ernsthaft und sachbezo­gen erörtert hat, um damit den Informationsanspruch des Publi­kums zu erfüllen und zur Bildung der öffentli­chen Meinung beizutragen oder ob sie ledig­lich die Neugier der Leser nach privaten An­gelegenheiten promi­nenter Personen befrie­digt hat. Nicht alles, wofür sich Menschen aus Langewei­le, Neugier und Sensationslust inter­essieren, rechtfertigt dessen visuelle Darstel­lung in der breiten Medienöffentlichkeit. Für eine Zulässig­keit der Veröffentlichung habe u.a. gesprochen, dass die Urlaubsgestaltung von in der Öffent­lichkeit stehenden Personen durchaus einen In­formationswert habe. Es sei von öffentlichem Interesse, wie sich Fußball­nationalspieler auf anstehende Länderspiele vorbereiten und ob da­bei eher die sportliche Vorbereitung oder aber der Freizeitcharakter die Oberhand gewinne. Dies gelte jedenfalls dann, wenn die Vorberei­tung darin bestehe, für zwei Tage weg­zufliegen und dabei Zeit auf einer Yacht zu ver­bringen. Darüber hinaus sei zu berück­sichtigen, dass der Kläger zuvor sein Privatleben und auch seine Urlaubsge­staltung in den sozialen Netz­werken darge­stellt und an einer Home­story mit­gewirkt habe. Im Ergebnis sei die Veröffentli­chung aber nicht zulässig. Die Bilder seien der räumlichen Pri­vatsphäre zuzuordnen. Die Auf­nahmen seien vom Strand aus einer Entfer­nung von jeden­falls 50 Metern mit einem leis­tungsstarken Teleob­jektiv gemacht worden. Der Spie­ler habe sich während der Aufnah­men erkenn­bar in einem Moment der Ent­spannung befun­den. Das Argu­ment der Zei­tung, wonach die Yacht vor einem bekannten Prominenten-Hot-Spot geankert habe, an dem ein „Schaulaufen“ ins­besondere von Fuß­ballspielern stattfinde, wel­che die Bucht als „nassen roten Teppich“ nutzten, ließ der Se­nat nicht gelten. Es gebe keine ausreichenden Anhalts­punkte, dass der Kläger und die weiteren auf der Yacht befind­lichen Personen sich der Bucht in der Absicht ge­nähert hätten, von am Strand anwesenden Pres­sefotografen fotografiert zu werden. Auch die langjährige Freundin brauchte nicht hinzu­nehmen, dass Bilder von ihr aus einem Fuß­ballstadion ohne ihre Einwilligung abgedruckt wur­den. Zwar sei davon auszugehen, dass die Auf­nahmen auf der Tribü­ne für Spielerange­hörige bzw. auf dem Rasen mit ihrer konklu­denten Einwilli­gung gemacht worden seien. Jedoch rechtfer­tige eine solche konkludent bei einem be­stimmten Anlass erteilte Einwilli­gung nicht jede künftige Veröffentlichung eines Bil­des. Insbe­sondere sei nicht davon auszu­gehen, dass sich die Einwilligung auf eine Berichter­stattung über einen Urlaubsflirt des Spielers er­streckt habe. Die Wortberichter­stattung ist dagegen zuläs­sig. Bei dem Be­richt über einen Kurzurlaub des Klä­gers mit einer unbekann­ten Schönen habe es sich um wahre Tatsa­chen gehandelt. Die Berich­te sei­en weder herabsetzend noch ehrverletzend gewesen. Das Interesse der Öffentlichkeit an der Art und Weise der Vorbereitung eines Fußballna­tionalspielers auf ein Länderspiel rechtfer­tige die Veröffentlichung. Die als Meinungsäuße­rung an­zusehende Bezeichnung „Käpt’n Knutsch“ sei weder beleidigend noch schmä­hend, sondern ein – pointiert zuge­spitztes – Wortspiel. Der Senat hat die Revisi­on nicht zu­gelassen, da die maßgeblichen Rechtsfra­gen be­reits vom Bundesgerichtshof entschie­den wor­den sind, vgl. u.a. BGH, Urteil vom 29.05.2018 – Az. VI ZR 56/17 – veröf­fentlicht Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 22.11.2018 – Az. 15 U 96/18

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